DU oder SIE? Meine persönliche Entwicklung – nicht nur beim Bloggen

DU oder SIE? Welche Anrede ist die richtige fürs Bloggen und Social Media Aktivitäten?

DU oder SIE – Genau diese Frage habe ich mir von Anfang an auch gestellt und mich bis heute damit herumgequält.

Da ich selbst noch relativ unerfahren mit Social Media und insbesondere dem Bloggen war entschied ich mich 2015 für das seriöse SIE.

Ich komme aus einem beruflichen Umfeld, in der das SIE üblich war.

In einem stark hierarchisch geprägten Unternehmen gab es AssistentInnen, die ihre Chefs abschirmten und für Mitarbeitergespräche Termine vergaben, und sogar eigene Bereiche, in denen nur Führungskräfte essen durften. Es war undenkbar, dass eine Personalerin BewerberInnen oder gar einen Geschäftsführer oder einen Abteilungsleiter DUzt. (Man beachte die Wortwahl – es waren „natürlich“ überwiegend Männer in den Führungsrollen).

Das SIE sorgte für Distanz, sollte Kompetenz und Professionalität ausstrahlen.

Damals (huch was fühle ich mich plötzlich alt:-)) war die Haltung in Unternehmen auch noch, dass BewerberInnen dankbar sein sollen, wenn sie überhaupt eingeladen wurden… Dies änderte sich zum Glück in den letzten Jahren und auch bei meinem letzten Arbeitgeber haben wir einen großen Wandel vollzogen.

Wir stellten unsere BewerberInnen und MitarbeiterInnen mehr und mehr in den Mittelpunkt unserer Personalarbeit und begannen diese zu umwerben.

Das SIE allerdings blieb.

Deshalb war ich überzeugt, dass das SIE zu mir und meiner Zielgruppe am besten passt.

Herausforderung 1: Duz-Kultur in der Bloggerszene

Die ersten Schwierigkeiten mit dem SIE bekam ich, als die ersten Kommentare auf meine Blogbeiträge eingingen. Häufig wurden diese nämlich per DU gepostet, da die Blogger sich wie selbstverständlich DUzen.

Ich entschied mich, dieses DU in den Antworten aufzunehmen, da mir die Nähe, die ich damit zu meinen LeserInnen bekam, gefiel. Allerdings hatte ich damit einen Wechsel in der Ansprache, der nicht stimmig ist.

Herausforderung 2: Facebook und Instagram vs. Xing und LinkedIn

Auf Xing und LinkedIn wird überwiegend das SIE benutzt. So passt es gut, Blogbeiträge in diesen Businessnetzwerken in der SIE-Form zu teilen und auch in Foren per SIE mitzudiskutieren.

Ganz anders bei Facebook und Instagram. Als persönliches Netzwerk gedacht, beherrscht hier das DU die Ansprache. Seit ich mit einem Businessprofil bei Facebook startete, nutze ich, um einheitlich zu bleiben, auch hier das SIE.

Das ging zunächst auch recht gut, manchmal behalf ich mir mit dem hessischen IHR. Das sollte persönlicher sein, ist aber irgendwie nicht Fisch und nicht Fleisch.

Dann kam Instagram dazu und ich muss sagen, ich liebe Instagram:-).

Hier geht es ja in erster Linie wirklich um die Bildsprache und um kurzen, schnellen Input. Da die Zielgruppe hier wesentlich jünger ist und die geteilten Inhalte auch von meiner Seite eher persönlich sind, fühle ich mich hier wohl, wenn ich per DU agiere.

Die Zwickmühle ist perfekt – ich habe einen unglaublichen Medien-Ansprachen-Mix, der mir das Leben schwer und mich nicht besonders authentisch macht. Man merkt das rumgeeiere und das ist für jemanden, der für KLARHEIT stehen möchte (und genau dafür auch immer wieder sehr positives Feedback bekommt), nicht sehr überzeugend.

Herausforderung 3: Meine Zielgruppe

Bisher ging ich davon aus, dass meine Zielgruppe erwartet, dass ich sie mit SIE anspreche.

Ganz nach meinen durch Lebenserfahrungen geprägten Glaubenssätzen:

Man kann doch seine Kunden nicht einfach DUzen – wenn ich eine(n) Geschäftsführer/in DUze, trete ich ihm/ihr zu nahe und sie empfinden mich als nicht kompetent oder gar unprofessionell. Ich bin doch nicht „ihr Kumpel“ sondern sie wollen doch seriöse Beratung einkaufen.

Damit stand ich mir bisher selbst im Weg.

Bis ich vor kurzem meine absolute Wunschkundin kennenlernte.

Die Zusammenarbeit mit ihr ist geprägt von einem konstruktiven Miteinander, hoher Wertschätzung und einem tollen Tempo. Die Chemie stimmt einfach und wir arbeiten zusammen an einem gemeinsamen Ziel – ihr wachsendes Unternehmen für BewerberInnen authentisch sichtbar zu machen.

Und wir arbeiten parallel an der Weiterentwicklung ihrer positiven Arbeitgebermarke. Sie ist offen für konstruktive Vorschläge und bereit, Neues auszuprobieren.

Bereits nach dem zweiten Workshop hat Sie mir das DU angeboten und es fühlt sich absolut gut und richtig an.

Meine Lösung: Ob Du oder Sie entscheidest ganz allein Du

Für mich ist jetzt klar, dass ich mich mit dem DU am wohlsten fühle.

Bei meiner Arbeit mit Dir als UnternehmerIn an Deiner Personalarbeit und gerade auch in Coachings ist eine sehr vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit gefragt. Da kann eine künstliche Distanz über das SIE durchaus dazu führen, dass ich nur als externe Beraterin gesehen werde, die von Außen theoretische Tipps gibt.

Mein Wunsch ist es jedoch, mich in Dein Unternehmen und Deine persönlichen Herausforderungen hineinzuversetzen und Dich aktiv bei der Lösung Deiner individuellen Probleme zu unterstützen.

Es gibt natürlich Menschen, die genau die Distanz über das SIE auch in dieser Situation bevorzugen und die Zusammenarbeit kann genauso intensiv sein – deshalb und gerade, weil ich selbst mit dem SIE aufgewachsen bin, werde ich den Wunsch danach jederzeit auch weiterhin gerne akzeptieren und umsetzen.

Für meine Social Media Auftritte werde ich mich ab sofort für das DU entscheiden und deshalb auch diesen Blog in dieser Ansprache weiterführen.

Wie ich mit Xing verfahren werde, habe ich noch nicht abschließend entschieden – vermutlich werde ich mich den Geflogenheiten anpassen und beim SIE bleiben, meine Aktivitäten dort aber auf ein Minimum beschränken. Aus LinkedIn werde ich mich gänzlich abmelden, da ich meine Zielgruppe auch über andere besser zu mir passende Kanäle erreiche – ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr.

Auf jeden Fall bin ich inzwischen fest davon überzeugt, dass ein DU meiner Kompetenz und auch Professionalität keinen Abbruch tut sondern mich nur nahbarer macht.

Mein Tipp

  • Finde heraus, wie Du selbst wahrgenommen werden möchtest und
  • welche Ansprache am besten zu Dir und Deiner derzeitigen Situation passt.
  • Wähle dann die Kanäle, die für die gewählte Ansprache am besten geeignet sind,
  • verzichte ggf. auf Facebook und Co, wenn Du das SIE bevorzugst, oder bleibe Dir auch hier treu.
  • Du erreichst KLARHEIT, wenn Du einheitlich auftrittst.

Schreibt mir gerne Eure eigenen Erfahrungen – ich bin gespannt auf Eure zusätzlichen Tipps.

 

 

 

 

 

 

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